Tagebuch einer Nachtflugausbildung

Montag, 19:00 Uhr

 

Am Tor des „Fliegerhorst Wittmundhafen“, einem Militärflugplatz auf dem üblicherweise Flugzeuge des Typs Phantom verkehren, werden Klaus Leske und ich von unserem Fluglehrer Stefan Ganse abgeholt und mit Besucherausweisen ausgestattet.

 

Nach ein paar einleitenden Worten beginnt Klaus Leske mit den Platzrunden. In den 45 Minuten auf dem Rücksitz steigt die Vorfreude auf die ersten eigenen Landungen bei Dunkelheit. Nach der Landung rollen wir aus, um den Pilotenwechsel zu vollziehen; doch dann macht uns unsere Ausbildungsmaschine, die (D-) EBBY, eine Cessna 172M, einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Taxilicht, das bereits bei der Vorbereitung durch Stefan Ganse seinen Geist aufgegeben hat, versagt jetzt auch das Landelicht seinen Dienst. Weiteres Nachtfliegen ist an diesem Tag nicht mehr möglich.

 




 

 

Dienstag, 17:30 Uhr

 

Pünktlich um Sunset+30, die Fliegernacht beginnt 30 Minuten nach Sonnenuntergang, werden die letzten Checks an der EBBY absolviert. Beide Lichter wurden am Nachmittag repariert und funktionieren jetzt einwandfrei.

 

Wir machen ein paar gemeinsame Platzrunden und besprechen dabei die zu beachtenden Besonderheiten bei einer Landung bei Nacht: Welche Teile der Befeuerung haben welche Bedeutung, wo ist aufzusetzen und wie können PAPIS unterstützen, den richtigen Anflugwinkel zu finden. Interessant ist es den richtigen Moment für das Abfangen zu erkennen, da die periphere Sicht bei Dunkelheit keine bzw. kaum eine Unterstützung bietet.

 

Schon vor dem Start am heutigen Tag wurde ein Flugplan erstellt und aufgegeben. Unter der Führung von „Bremen Radar“ fliegen wir an die Kontrollzone des Bremer Flughafens, um dann mit Freigabe von „Bremen Turm“ über den Pflichtmeldepunkt „November“ den Flughafen für einen tiefen Überflug anzufliegen. Wir verlassen die Kontrollzone über „Whiskey“ und fliegen über Oldenburg und Westerstede-Felde – das Licht in den Ausbildungsräumen des Flugplatzes war zu sehen – zurück nach Wittmundhafen zur heutigen Abschlusslandung.

 

Mittwoch, 14:30 Uhr

 

Bevor wir heute die Nachtflugausbildung starten, fliegen Stefan Ganse und ich gemeinsam nach Wilhelmshaven-Mariensiel, um unter anderem die EBBY aufzutanken. Dort starten wir dann wenige Minuten nach Sunset aber noch nicht zur Nachtflugzeit, um die PPR-Gebühren in Wilhelmshaven zu sparen. Zurück in Wittmundhafen verlässt Stefan Ganse nach einigen gemeinsamen Platzrunden das Flugzeug und schickt mich in die Solo-Runden. Fünf Landungen im Alleinflug bis zum vollständigen Stillstand sind für den Erwerb der Nachtflugberechtigung zu absolvieren.

 

Donnerstag, 18:00 Uhr

 

Heute beginnt die Ausbildung wieder relativ pünktlich um Sunset+60, ca. um 18:00 Uhr. Nach einigen Platzrunden und Absolvierung von etwas Airwork, wir haben ein paar Steilkreise und eine Ziellandeübung geflogen, habe ich die von mir geforderte Mindestflugzeit bei Nacht von 5 Stunden überschritten und setze zur Abschlusslandung an. Es werden noch ein paar Formalitäten erledigt, und der „Antrag zum Erwerb der Nachtflugqualifikation gemäß JAR-FCL 1.125 bzw. § 83 LuftPersV für Privatflugzeugführer bzw. Segelflugzeugführer mit Klassenberechtigung Reisemotorsegler“ gemeinsam ausgefüllt und von meinen Fluglehrer verschickt.

Samstag, 9 Tage später

 

In meinem Briefkasten liegt ein Schreiben von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Mit im Umschlag liegen eine Kostennote sowie meine neue „Lizenz für Privatpiloten“ mit der Nachtflugberechtigung.

 

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